So 24.1. - So 4.4.2010

entwertet – ausgegrenzt - getötet
Medizinverbrechen an Kindern im Nationalsozialismus

Ausstellung im Krankenhaus-Museum
Diese Ausstellung thematisiert erstmals umfassend Schicksale Bremer Kinder im Nationalsozialismus
Was geschah mit Bremer Kindern, die in den Augen der Nationalsozialisten „krank“ und „lebensunwert“ waren?
Gab es auch in Bremen eine der berüchtigten „Kinderfachabteilungen“?
Fragen, denen die Kulturwissenschaftlerin Gerda Engelbracht für  die neue Sonderausstellung des Krankenhaus-Museums noch einmal intensiv nachgegangen ist. Ihre Ergebnisse sind nun Teil der Ausstellung.
Ein weiterer wichtiger Teil der Ausstellung ist die bestehende Wanderausstellung über den „Kindermord am Bullenhuser Damm“. Sie erzählt vom Lebens- und Leidensweg der zwanzig jüdischen Kinder, die noch 1945 im KZ Neuengamme für medizinische Menschenversuche benutzt und kurz vor Kriegsende getötet wurden. Der Bremer Arbeitskreis, der diese Ausstellung konzipiert und gestaltet hat, bemüht sich darum, einen Beitrag zur Bekämpfung des Neonazismus zu leisten. Im umfangreichen Begleitprogramm werden in Vorträgen Fragen zu diesen menschenverachtenden Taten gestellt. Was war das treibende Motiv der Täter? Warum haben Ärztinnen und Ärzte bedenkenlos den vermeintlichen Fortschritt und das vermeintliche „Wohl der Gesellschaft“ über das „Wohl des Einzelnen“ gestellt?
Referenten sind unter anderem Prof. Dr. Dr. Klaus Dörner aus Hamburg, Sigrid Chamberlain aus Frankfurt und die Brüder Prof. Thomas und Prof. Gerhard Leithäuser, die das Schicksal ihres Onkels recherchiert haben. In der Zeit des Nationalsozialismus fielen mindestens 5000 Kinder dem rassenhygienischen Gesundheitswahn zum Opfer. Die meisten von ihnen starben in eigens eingerichteten „Kinderfachabteilungen“, aber auch in den Gaskammern der „Erwachsenen-Euthanasie“ sowie in Heimen und Krankenhäusern. Die lokalen Gesichter der Vernichtung waren vielfältig. Bis vor kurzem war die Frage, ob es in Bremen eine „Kinderfachabteilung“ gab, nicht abschließend geklärt. Neue Recherchen zu diesem düsteren Thema der Bremer Geschichte haben nun ergeben, dass es eine solche Abteilung nicht gab. Das bedeutet leider nicht, dass Kinder, die nicht dem Menschenbild der Nationalsozialisten entsprachen, in Bremen weniger zu befürchten hatten als anderswo. Bremen verfügte, wie durch die Recherchen ebenfalls deutlich wurde, über ein engmaschiges Kontrollnetzwerk, in dem das Gesundheitsamt, die Kinderklinik, Hebammen und Kinderärzte eine wichtige Rolle spielten.
„Bremer Kinder, die nicht ins Bild passten, waren extrem bedroht und zahlten nicht selten mit dem Leben“, sagt Achim Tischer,  Leiter des Krankenhaus-Museums.
Doch was geschah mit den betroffenen Bremer Kindern? Auch das konnte Gerda Engelbracht jetzt weitgehend klären. Viele der Kinder starben in der „Kinderfachabteilung“ Lüneburg eines gewaltsamen Todes. Zu den Stigmatisierten gehörten auch die Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses Reddersen, der ersten bremischen Pflege- und Erziehungsanstalt für geistig und körperlich behinderte Kinder und Jugendliche in Bremen, deren Leidensweg ebenfalls Bestandteil der Ausstellung ist.
Für die Realisierung der Ausstellung und des Begleitprogramms gab es eine breite Unterstützung Bremer Einrichtungen, unter anderem vom Evangelischen Bildungswerk Bremen, vom Verein Erinnern für die Zukunft, von der Heinrich-Böll-Stiftung, vom Gesundheitsamt und vom Arbeitskreis Bremen „Die Kinder vom Bullenhuser Damm“.

Download Pressetext
Download Pressefotos
Download Faltblatt

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Stefanie Beckröge
Unternehmenskommunikation
Gesundheit Nord gGmbH
Klinikverbund Bremen
Telefon 0421/ 408-1261
Stefanie.Beckroege@klinikum-bremen-ost.de